
Zum 15. August: Über Maria und die Donnerkerze, duftenden Rosen und dem Segen der Erde
, Von Dinah Henke, 4 min Lesezeit

, Von Dinah Henke, 4 min Lesezeit
Heute ist der 15. August – Mariä Himmelfahrt, der „Große Frauentag“. Ein Tag im Hochsommer, an dem die Natur auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Fülle steht. Draußen reifen die Felder, die Kräuter verströmen ihr intensivstes Aroma, und die Luft ist erfüllt von Wärme, Licht und Festigkeit. In der alten Tradition ist dies der Tag, an dem wir innehalten, um der Erde für ihre Gaben zu danken und die Heilkräfte der Natur ins Haus zu holen.
In der Mitte eines jeden traditionellen Kräuterbuschens steht stolz die Königskerze. In alten Zeiten nannte man sie ganz bewusst auch Donnerkerze. Ihre weichen, wolligen Blätter und die goldgelben Blütenstände erinnern nicht nur an eine mächtige Fackel; sie trägt auch eine tiefe Verbindung zum Licht und zum Schutz vor Unwettern in sich.
In unserer Lichtermacherei begleiten mich Gewitterkerzen und Wetterkerzen durch das ganze Jahr – sie spenden Trost, Helligkeit und Standhaftigkeit in stürmischen Zeiten. Die Königskerze im Kräuterbuschen erinnert uns daran, das aufgespeicherte Sommerlicht treu zu hüten.
Der klassische Buschen versammelt die gebündelte Kraft der Sommermonate. Jedes der sieben Kräuter trägt seine eigene feine Botschaft in sich:
Königskerze (Donnerkerze): Lichtträgerin, Fackel des Sommers und Schutz vor Unwetter.
Rose: Die Königin der Blüten – Symbol für Weiblichkeit, Selbstliebe, Mütterlichkeit und Herzenswärme.
Arnika: Hüterin der Körperheilung – spendet Linderung bei Verletzungen und heilt die Wunden des Lebens.
Salbei: Segen und Reinigung für Haus und Heim – bringt Schutz, Ruhe und Klärung in die eigenen Räume.
Johanniskraut: Speichert das pure Sommerlicht und vertreibt dunkle Gedanken.
Kamille: Ein sanftes Mütterkraut für Trost, Innigkeit und körperlichen Frieden.
Schafgarbe: Das Acker- und Wundkraut für Harmonie, Weiblichkeit und innere Balance.
Am Hochfest Mariens gebührt den Frauen ein ganz besonderer Raum. Der 15. August lädt dich ein, abseits aller alltäglichen Mühen in deine weibliche Urkraft einzutauchen und dich von Herzen zu ehren.
Verwöhne dich heute mit einem wohligen Rosenbad: Gib frische oder getrocknete Rosenblüten zusammen mit etwas Öl ins warme Badewasser. Spüre, wie das duftende Wasser dich umfängt und du dich ganz mit dem Gefühl verbinden kannst, eine Frau zu sein und dich daran zu erfreuen.
Wenn du kein Bad nehmen möchtest, nimm dir einfach eine frische Rose zur Hand. Schließe die Augen und rieche tief an ihren Samtblättern – aber schaue vorher kurz hinein: Oft schlafen kleine Käfer oder Bienchen darin, die das wohlige Versteck genauso schätzen wie wir!
Kleine Anleitung für ein duftendes Kräuterritual: Für wohlige Entspannung empfehle ich dir außerdem eine feine Rosenweihrauch-Räucherung. Oder du sammelst dir die Kräuter frisch, drehst sie zu kleinen Bündeln auf und lässt sie gut trocknen. Wenn du sie anschließend auf einem Räucherstövchen sanft verglimmen lässt, schenkt dir die Flamme des Teelichts einen wunderbar feinen, zarten Duft – ganz ohne die starke Hitze von Räucherkohle. Diese sanfte Räucherung hält Insekten fern, klärt und hält deine Räume spürbar und schenkt dir Frieden, Glück und Segen.
„Ob leise gesummt oder laut gesungen: Lass eine Melodie erklingen, die deinem Herzen nahe ist. Mein persönlicher Herzenstipp für diese Tage sind die zeitlos schönen Kirchen Lieder von Hildegard von Bingen – perfekt, um ganz im Moment anzukommen, deine weibliche Urkraft zu spüren und dich mit den Wurzeln all jener Frauen zu verbinden, die vor dir gingen.“
Die alte Legende erzählt, dass die Apostel beim Öffnen des Grabes Mariens keinen Verwesungsgeruch vorfanden, sondern den unvergleichlichen Wohlgeruch von frischen Blüten, Heu und Heilkräutern. Der Sieben-Kräuter-Buschen ist somit auch ein tiefgründiges Sinnbild für die Endlichkeit unseres Erdendaseins und den tiefen Frieden mit dem eigenen Körper.
Wenn mein eigener Lebensweg einmal vollendet ist, möchte ich gebührend in die Erde gebettet werden. Der Körper – aus der Erde erwachsen – kehrt zu ihr zurück, um wieder vollkommen eins mit der Natur zu werden, während die Seele leichten Herzens gen Himmel steigt. Die duftenden Sieben Kräuter begleiten diesen Weg als Zeichen des Dankes, der Würde und der ewigen Verwandlung. Es ist ein beruhigender Gedanke, zu wissen, dass alles Vergängliche in einen edlen, wohlriechenden Segen gehüllt ist.
Wusstest du eigentlich, dass unsere klassische Gewitterkerze in Österreich traditionell ebenfalls den Namen „Donnerkerze“ trägt – genau wie die Pflanze der heiligen Maria?
Dieser faszinierenden Verbindung zwischen der pflanzlichen Donnerkerze und dem geweihten Licht unseres Handwerks möchte ich mich ganz bald widmen. Dazu erfährst du aber in einem separaten Artikel mehr!
Ich wünsche dir an diesem 15. August Momente der Stille, des Genusses und der tiefen Freude am Frau-Sein. Gönne dir heute etwas, das deinem Herzen und deinem Körper wohltut.
Von Herzen,
Deine Dinah
Lichtermacherei – Handwerk, Tradition & Magie des Lichts

Liebe Dinah, danke für diesen zauberhaften Beitrag zu Mariä Himmelfahrt! Die Verbindung zwischen der Königskerze im Kräuterbuschen und deiner Donnerkerze aus der Lichtermacherei hat mich total fasziniert. Das kleine Kräuter-Ritual werde ich heute Abend direkt ausprobieren. Eine wunderbare Erinnerung, im Alltag mal innezuhalten!
So ein wunderschöner und tiefberührender Artikel, liebe Dinah! Der Tipp mit dem Stövchen und dem Rosenweihrauch ist traumhaft – die ganze Wohnung duftet sanft und strahlt eine herrliche Ruhe aus. Die Lieder von Hildegard von Bingen laufen bei mir im Hintergrund und passen einfach perfekt zu dieser besonderen Sommerstimmung. Danke für diese wertvollen Impulse!