
Wenn jemand fehlt – eine Kerze für die Erinnerung und das, was uns bleibt
, Von Dinah Henke, 7 min Lesezeit

, Von Dinah Henke, 7 min Lesezeit
Nach dem Abschied wird es still. Eine Trauerkerze kommt mit nach Hause und gibt der Erinnerung einen Platz. Über das Vermissen, persönliche Lichtrituale und das Leben, das für uns weitergeht.
Was macht uns eigentlich so traurig, wenn ein Mensch oder ein Tier stirbt?
Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir die kleinen Dinge in den Sinn. Ein vertrauter Blick. Die Freude aufeinander. Dieses unausgesprochene Gefühl, im anderen ein Zuhause zu haben.
Und dann fehlt dieses Miteinander. Diese zarte Vertrautheit.
Wir müssen uns im Leben so oft verabschieden. Von unserer Mutter, unserem Vater, unserem Partner, einer Freundin, einem geliebten Tier. Manchmal von einem Kind, dessen Leben kaum beginnen durfte – einem Sternenkind. Dann fehlen auch all die gemeinsamen Augenblicke, auf die wir gehofft hatten.
Jeder Abschied ist anders. Und jedes Mal verändert sich ein Leben, das weitergehen muss, obwohl gerade so vieles stillsteht.
Ich bin die, die weiterlebt.
Puh. Schon dieser Satz.
Während ich noch begreifen muss, dass du gestorben bist, muss ich Entscheidungen treffen. Menschen informieren. Unterlagen suchen. Deinen letzten Willen finden – falls du ihn aufgeschrieben hast. Einen Abschied vorbereiten.
Ich halte dein vergangenes Leben in den Händen und soll etwas damit tun, während meines gerade aus den Fugen geraten ist.
Auch andere sind erschüttert. Sie möchten Anteil nehmen, etwas sagen, etwas geben. Eine Kondolenzkarte, Blumen oder ein Kranz drücken aus: Wir denken an euch. Wir erinnern uns mit euch.
Vielleicht überreicht dir dein Bestatter eine klassische Trauerkerze mit Trauerflor als kleine Geste der Anteilnahme. Vielleicht hat sie bereits bei der Trauerfeier geleuchtet.
Ein Licht für dich. Und zugleich für uns, die zurückbleiben.
Die Abschiedsfeier ist vorüber. Nach und nach wird es stiller. Die anderen fahren nach Hause.
Und ich komme nach Hause – ohne dich!
Ich habe die Kerze dabei, die beim Abschied schon gebrannt hat. Die Blumen bleiben am Grab. Dieses Licht bleibt nun bei mir.
Wenn ich sie wieder anzünde, erinnere ich mich auch an unseren gemeinsamen Abschied: Ach ja, dieses Licht war dabei. Es war schön, wie wir uns verabschiedet haben. Danke dafür.
Hier stehen noch deine Sachen. Deine Kleidung. All die Dinge, die eben noch selbstverständlich zu unserem Alltag gehört haben. Irgendwann werde ich etwas wegräumen, weitergeben, verändern. Wann ich dazu bereit bin, weiß ich noch nicht.
Einen kleinen Gedenkplatz, vielleicht mit einem Foto oder einem Gegenstand, den ich mit dir verbinde.
Wie seltsam das ist: Dein Körper ist nicht mehr da. Du brauchst den Platz in unserer Wohnung nicht mehr so wie früher. Aber mein Herz braucht Raum für dich. Für unsere Nähe, meine Sehnsucht, für alles, was ich in mir trage.
So viel Gefühl auf diesem kleinen Platz.
Ich zünde das Licht an. Hier darf ich dich vermissen. Dir etwas erzählen. Meine eigene Hand halten und weinen. Erschüttert sein, leer, dünnhäutig. Oder einfach still.
Irgendwann wird ihr Wachs weniger. Vielleicht erschreckt mich das.
Was mache ich, wenn auch diese Kerze aufgebraucht ist?
Ich darf ihren Rest bewahren und ein anderes Licht daneben anzünden. Ich darf eine zweite Kerze gestalten. Später eine dritte.
Vielleicht möchte ich nun selbst überlegen, wie mein nächstes Erinnerungslicht aussehen soll. Die erste Kerze wurde mir geschenkt, war ein Zeichen der Anteilnahme in den ersten schweren Stunden. Diese neue darf aus meiner eigenen Erinnerung entstehen.
Wie warst du? Welche Farbe gehört zu dir? Was erzählt von unserem Leben? Wie möchte ich dich in Erinnerung haben?
Schon diese Überlegung kann eine Trauerhilfe sein. Ich darf erzählen, auswählen, gestalten oder jemanden bitten, meine Gedanken in Wachs umzusetzen.
Ein Name, Lebensdaten, eine persönliche Widmung oder ein vertrautes Symbol können Teil dieser Kerze werden. Vielleicht erinnert mich eine Farbe an dich. Vielleicht möchte ich nur wenige Worte, die für uns beide eine Bedeutung haben.
Eine Kerze entsteht aus dem Leben, das einmal war. Aus dem, was davon heute in mir weiterwirkt.
Die erste Kerze hat unseren Abschied begleitet. Die nächste darf aus meiner Erinnerung entstehen.
In meiner Werkstatt gestalte ich persönliche Trauerkerzen und Erinnerungslichter für diesen eigenen Platz der Erinnerung – für Menschen, die fehlen, und auch für geliebte Tiere.
Dein Name. Zwei Daten. Ein Satz.
Auf einer Kerze, einer Kranzschleife, später auf einem Stein.
So wenige Worte für ein ganzes Leben.
Wo sind dein Lachen, deine Eigenheiten, unsere Geschichten? Die Augenblicke, in denen wir einfach zusammen waren, ohne auf die Uhr zu schauen? In Freude und auch im Leid?
Ein Leben passt nicht auf diese kleine Fläche. Aber ein Zeichen kann eine Tür zur Erinnerung öffnen. Ich sehe es – und weiß wieder, wie du warst.
Bei meinem Hund Ruby und meinen Omas ist da dieses warme Gefühl: Es war gut. Es war wunderbar, dass wir einander hatten.
Ein Ort, ein Gegenstand, eine alltägliche Handlung erinnert mich. Manchmal kommen sofort Tränen. Manchmal ein Lächeln. Oft beides.
Niemand ersetzt diese Verbindung. Sie gehört zu meinem Leben.
Wenn ich sehe, wie andere Menschen und Kulturen mit dem Tod umgehen, berührt mich das. Es gibt stille Formen des Gedenkens und solche voller Farben, Musik und gemeinsamer Geschichten.
Ich muss nicht jeden Brauch für mich übernehmen. Aber ich schätze diese unterschiedlichen Wege. Sie zeigen mir, wie sehr wir Menschen nach einer Form suchen, mit dem Verlust zu leben.
Vielleicht steht ein Licht im Fenster. Für manche verbunden mit der Hoffnung, dass die Verstorbenen ihren Weg nach Hause finden. Für andere ein Gruß, ein sichtbarer Gedanke: Du fehlst. Du gehörst zu uns.
Auch mich berührt dieses Bild. Und gleichzeitig spüre ich den Schmerz: Ich wünsche mir deine wirkliche Rückkehr. Deine Nähe, deinen Körper, deine Stimme.
Dann hilft mir vielleicht jemand, der dieses Gefühl kennt …
Mitten im ganz eigenen Schmerz entsteht wieder Verbundenheit. Wir erzählen voneinander und von denen, die fehlen. Hören zu. Erinnern gemeinsam.
Der Tod eines anderen stellt auch Fragen an mein eigenes Leben.
Wann werde ich gehen? Was bleibt dann von mir? Habe ich etwas vorbereitet?
Meine Oma hatte ihre Beerdigung geplant, einen Ordner angelegt und vorgesorgt. Das hat uns damals manches leichter gemacht. Wir konnten nachlesen, was sie sich gewünscht hatte.
Vielleicht möchte auch ich meine Unterlagen ordnen, Wünsche festhalten und mit meinen Angehörigen sprechen. Mich mit Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung beschäftigen. Aussprechen, was mir wichtig ist.
Ob alles einmal so kommt, weiß ich nicht. Aber ich kann heute etwas vorbereiten und den Menschen, die mich begleiten, Orientierung geben.
Und ich darf mich fragen: Was möchte ich ihnen jetzt noch sagen? Wofür möchte ich mir zu Lebzeiten Zeit nehmen?
Was nach dem Tod kommt, weiß ich nicht sicher. Wo unsere Seele ist, ob und wie etwas von uns weiterlebt – dafür tragen Menschen unterschiedliche Hoffnungen und Vorstellungen in sich.
Ich darf meine Fragen haben.
Und dann kehre ich zurück zu diesem kleinen Licht. Spüre meine Füße auf dem Boden. Meine Hand in meiner Hand.
Hier bin ich. Ich lebe.
Die Kerze nimmt mir den Verlust nicht ab. Aber sie gibt meiner Erinnerung einen sichtbaren Platz. Sie kann mich begleiten, wenn ich traurig bin, und leuchten, wenn ich dankbar zurückdenke.
Heute diese Kerze. Später vielleicht eine andere.
Für dich. Für unsere gemeinsame Zeit. Und für mich, die ich mit all dem weiterlebe.
Eine Flamme zwischen Erde und Himmel.
Was würde dein Erinnerungslicht erzählen?
Wenn du möchtest, erzähle davon in den Kommentaren. Oder entdecke meine Trauerkerzen und persönlichen Erinnerungslichter und schau in Ruhe, welches Licht zu deiner Erinnerung passt.
Deine Dinah
Sie begleiten Familien durch die ersten schweren Stunden und gestalten mit ihnen einen persönlichen Abschied. Eine klassische Trauerkerze mit Trauerflor kann diese Begleitung über die Trauerfeier hinaus sichtbar machen.
In unserer Lichtermacherei erhalten Bestattungsunternehmen fertig gestaltete Kondolenzkerzen, die sie den Hinterbliebenen als Geste der Anteilnahme überreichen können. Zu Hause bekommt das Licht seinen eigenen Platz und erinnert auch an den gemeinsam gestalteten Abschied.
Wenn später der Wunsch nach einer individuell gestalteten Erinnerungskerze entsteht, können Angehörige selbst ein passendes Licht auswählen oder ihre persönlichen Wünsche mit uns besprechen.
Sie möchten Kondolenzkerzen für Ihr Bestattungsunternehmen beziehen? Kontaktieren Sie uns für eine Zusammenarbeit. Nennen Sie uns gerne die gewünschte Stückzahl und Ihren Bedarf – wir besprechen die Möglichkeiten mit Ihnen persönlich.
Kerzen bitte nur unter Aufsicht auf einer feuerfesten Unterlage brennen lassen. Trauerflor und andere brennbare Dekorationen vorher entfernen und ausreichend Abstand zu brennbaren Gegenständen halten.