
Was zünden wir eigentlich in unserem Zuhause, bei unseren Ritualen und Lebensfesten an?
, Von Dinah Henke, 10 min Lesezeit

, Von Dinah Henke, 10 min Lesezeit
Nicht jede Kerze ist gleich. Erfahre, warum Wachsqualität, Herkunft und echte Verarbeitung den Unterschied machen – für dein Zuhause, deine Rituale und besondere Lebensmomente.
Eine normale Kerze kostet im Discounter manchmal weniger als einen Kaffee.
Sie sieht hübsch aus. Die Farbe passt. Vielleicht riecht sie nach Vanille, Baumwolle oder Sandelholz. Also ab damit in den Einkaufswagen.
Auch Anlasskerzen gibt es heute erstaunlich günstig.
Diese können wunderschön aussehen.
Doch der fertigen Kerze sieht man nicht automatisch an, welche Qualität eigentlich unter ihrer Gestaltung steckt.
Denn ein kunstvoll gearbeitetes Motiv sagt zunächst nichts darüber aus, aus welchem Wachs der Kerzenkörper besteht, wo dieser hergestellt wurde, wie hochwertig seine Brennmasse ist oder warum der Rohling im Einkauf vielleicht nur einen Bruchteil dessen kostet, was ein speziell ausgewähltes Qualitätswachs kostet.
Da stellt sich die Frage:
Was brennt da eigentlich in meinem Zuhause?
Auch wenn meine Anlasskerze nicht angezündet wird...
Woher kommt das Wachs? Welche Farb- und Zusatzstoffe wurden verwendet? Wie wurde die Kerze hergestellt? Unter welchen Bedingungen entstanden ihre Rohstoffe? Wie gut sind Docht und Brennmasse aufeinander abgestimmt? Und was passiert mit all diesen Bestandteilen, wenn die Kerze Stunde für Stunde in einem geschlossenen Raum brennt?
Kerzen gehören für viele von uns zu den emotionalsten Gegenständen überhaupt.
Wir entzünden sie auf dem Esstisch und im Wohnzimmer. Bei Meditationen und Ritualen. Zur Geburt eines Kindes, bei einer Taufe, einer Hochzeit oder einem Abschied. Wir stellen sie neben Menschen, die uns wichtig sind, und schaffen mit ihrem Licht einen ganz besonderen Raum.
Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn nicht alles, was schön aussieht und wenig kostet, ist automatisch nachhaltig, fair hergestellt oder die beste Wahl für die eigene Umgebung.
Hier ist eine wichtige Unterscheidung:
Nicht jede Kerze aus dem Supermarkt oder Discounter ist minderwertig.
Und umgekehrt ist eine teure Kerze nicht allein durch ihren Preis automatisch hochwertig.
Problematisch wird es dort, wo wir kaum noch wissen, was wir eigentlich kaufen.
Bei Kerzen gibt es in Deutschland keine allgemeine Pflicht, sämtliche Inhaltsstoffe auf der Verpackung vollständig zu deklarieren. Selbst die Herkunft der verwendeten Rohstoffe ist für Verbraucher deshalb häufig nur schwer nachvollziehbar.
Ein extrem niedriger Verkaufspreis sollte daher zumindest eine Frage erlauben:
Wo wurde gespart?
Am Rohstoff?
An der Verarbeitung?
An Kontrollen?
An der Haltbarkeit?
An der Herkunft?
Oder an den Menschen innerhalb der Produktions- und Lieferkette?
Nicht jede dieser Fragen lässt sich von außen beantworten. Genau deshalb ist Transparenz so wertvoll.
Beim Abbrennen einer Kerze findet Verbrennung statt. Dabei können Partikel und verschiedene Verbrennungsprodukte in die Raumluft gelangen. Besonders eine flackernde oder rußende Flamme erhöht die Belastung; Zugluft und ein zu langer Docht können diese unvollständige Verbrennung begünstigen.
Das bedeutet nicht, dass man vor jeder Kerze Angst haben muss.
Das Verbraucherportal Bayern weist ausdrücklich darauf hin, dass die Schadstoffbelastung durch Kerzenwachs bei sachgemäßer Verwendung insgesamt gering ist und nicht allein die Wachsart darüber entscheidet. Entscheidend sind ebenso die Qualität und Abstimmung der Kerze sowie ihr richtiger Gebrauch.
Und genau darin liegt für uns ein wichtiger Punkt:
Eine Kerze ist ein Produkt, bei dem Material und Verarbeitung zusammengehören.
Es genügt nicht, auf die Vorderseite einer Verpackung ein schönes Naturmotiv zu drucken.
Besonders aufmerksam lohnt sich ein Blick auf stark parfümierte und üppig dekorierte Kerzen.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Duftkerzen ein erhöhtes Allergierisiko mit sich bringen können und die Raumluft stärker mit bestimmten Stoffen und Feinstaub belasten können. Auch Glitter, Lacke, künstlicher Schnee oder mitverbrennende Pflanzenbestandteile können zusätzliche Verbrennungsprodukte erzeugen.
Auch das Umweltbundesamt empfiehlt einen zurückhaltenden Umgang mit Duftstoffen. Manche Menschen reagieren empfindlich darauf; einzelne Duftstoffe können Allergien oder andere Unverträglichkeiten auslösen.
Das ist ein Gedanke, den wir interessant finden:
Wir beschäftigen uns intensiv damit, welche Lebensmittel wir essen, welche Kosmetik wir auf unsere Haut geben und welche Reinigungsmittel wir verwenden.
Aber eine Kerze stellen wir mitten in unseren Wohnraum, zünden sie an – und fragen häufig überhaupt nicht nach ihrer Zusammensetzung.
Vielleicht sollten wir das öfter tun.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit lohnt sich ein zweiter Blick.
Paraffin wird überwiegend aus einem fossilen Rohstoff gewonnen. Stearin dagegen kann unter anderem aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt werden. Wird Palmöl verwendet, stellt sich wiederum die Frage nach dessen Herkunft und den Bedingungen des Anbaus. Auch bei Soja-, Kokos- oder anderen Pflanzenölen spielen Flächenverbrauch, Herkunft und Anbauweise eine Rolle.
Deshalb mögen wir einfache Werbeversprechen wie „natürlich“, „pflanzlich“ oder „Bio-Kerze“ nicht besonders.
Sie erzählen oft nur einen Teil der Geschichte.
Ein Rohstoff kann nachwachsend sein und trotzdem aus einer problematischen Lieferkette stammen.
Ein anderer Rohstoff kann auf den ersten Blick weniger „natürlich“ wirken und für eine bestimmte hochwertige Verarbeitung dennoch technisch hervorragende Eigenschaften besitzen.
Nachhaltigkeit lässt sich nicht an einem einzigen Schlagwort festmachen.
Man muss genauer hinschauen.
Bei Kerzen, die wir nicht vollständig selbst als Rohkörper fertigen, setzen wir deshalb bewusst auf hochwertige Kerzen etablierter deutscher Hersteller wie Wiedemann und Kopschitz und wählen RAL-zertifizierte Qualitäten.
Warum ist uns das wichtig?
Für Kerzen mit dem RAL-Gütezeichen gelten definierte Anforderungen unter anderem an Brennmasse, Docht, Farben und Lacke sowie an das Brennverhalten. Die geprüften Kerzen sollen unter festgelegten Bedingungen ruhig brennen und keinen sichtbaren Ruß entwickeln.
Auch die Verbraucherzentrale nennt das RAL-Kerzengütezeichen ausdrücklich als Orientierung, weil dafür Anforderungen an Wachs, Docht, Farben und Lacke gelten, damit die Kerzen möglichst schadstoffarm abbrennen.
Für uns ist ein solcher Rohling allerdings noch keine fertige Wachskunst.
Er ist unsere Grundlage.
Dann beginnt unsere Arbeit.
Wir legen großen Wert auf hochwertige Wachse.
Aber das allein wäre uns zu wenig.
Denn die Besonderheit unserer Kerzen liegt nicht nur darin, welches Wachs wir verwenden, sondern darin, was wir mit diesem Material machen können.
In unserer Werkstatt wird Wachs seit 1973 nicht einfach nur gegossen und dekoriert.
Es wird verarbeitet.
Geformt.
Aufgebaut.
Verbunden.
Geschichtet.
Strukturiert.
Und mit teilweise über Jahrzehnte entwickelten Techniken zu Oberflächen, Formen und Motiven weiterverarbeitet, die eine ganz eigene Handschrift tragen.
Genau dafür brauchen wir Wachse mit ganz bestimmten Eigenschaften.
Für unsere Wachskunst muss ein Material wesentlich mehr können, als nur irgendwie fest zu werden und anschließend zu brennen.
Je nach Technik brauchen wir beispielsweise eine bestimmte Festigkeit, Elastizität, Temperaturbeständigkeit oder ein sehr definiertes Verhalten beim Erwärmen und Abkühlen.
Das Wachs muss einen Arbeitsschritt mitmachen, ohne unkontrolliert zu verlaufen.
Es muss sich teilweise bearbeiten lassen, während andere Bereiche stabil bleiben.
Schichten müssen miteinander harmonieren.
Feine Strukturen müssen erhalten bleiben.
Formen und plastische Elemente müssen ihre Wirkung behalten.
Und auch nach der gestalterischen Verarbeitung soll aus dem Kunstwerk noch immer eine funktionierende Kerze entstehen.
Mit sehr einfachen Wachsmischungen stoßen solche Verfahren schnell an ihre Grenzen.
Deshalb arbeiten wir unter anderem mit hochwertigem Paraffin mit besonders hohem Schmelzpunkt und – je nach Gestaltung – mit weiteren ausgewählten Wachssorten.
Unsere Materialqualität ist also nicht nur ein Verkaufsargument. Sie ist eine Voraussetzung für unsere Art, mit Wachs zu arbeiten.
Viele unserer Verarbeitungstechniken gehen auf die Arbeit und Ideen von Claudia Ihl zurück, die die Kerzenwerkstatt 1973 gründete.
Heute führt Dinah Henke die Grundfarm Wachskunst in Weidenberg in zweiter Generation weiter.
Dabei wird nicht einfach Bewährtes kopiert.
Techniken werden weiterentwickelt, neu kombiniert und für moderne Formen, Farben und individuelle Gestaltungen eingesetzt.
Dieses Wissen liegt nicht in einem Sack Wachs.
Man kann es auch nicht zusammen mit einer Kerzengießform bestellen.
Es entsteht über Jahre und Jahrzehnte durch Erfahrung mit dem Material.
Wann ist das Wachs bereit?
Wie warm muss es sein?
Wie verhält es sich in der nächsten Schicht?
Was passiert mit der Farbe?
Wann lässt es sich formen – und wann würde es brechen?
Genau solche Erfahrungen machen aus Material Handwerk.
Und aus Handwerk irgendwann eine eigene Handschrift.
Wir möchten niemandem vorschreiben, wo er seine Kerzen kaufen soll.
Aber wir möchten dazu ermutigen, bewusster hinzusehen.
Denn jeder Einkauf ist auch eine Entscheidung darüber, welche Art von Herstellung weiterbestehen kann.
Möchtest du möglichst viel Ware für möglichst wenig Geld?
Oder möchtest du wissen, wo etwas entsteht?
Ist dir wichtig, welche Rohstoffe und Qualitätsstandards dahinterstehen?
Möchtest du industrielle Massenproduktion unterstützen – oder soll traditionelles Handwerk auch in Zukunft einen Platz haben?
Legst du Wert darauf, dass ein Gegenstand repariert, nachgefertigt, personalisiert oder für deinen besonderen Anlass eigens gestaltet werden kann?
Und möchtest du etwas in deinem Zuhause anzünden, dessen Herkunft und Qualität für dich zumindest nachvollziehbar sind?
Darauf gibt es keine Antwort, die für jeden Menschen gleich sein muss.
Aber es sind Fragen, die gestellt werden dürfen.
Bei einem gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand vergessen wir vielleicht schnell, woher er kam.
Bei einer Lebenskerze ist das anders.
Eine Taufkerze wird vielleicht Jahrzehnte aufbewahrt.
Eine Hochzeitskerze begleitet zwei Menschen durch gemeinsame Jahre.
Eine Trauerkerze brennt in einem Moment, in dem kaum etwas anderes wichtig erscheint.
Eine Ritualkerze steht vielleicht an einem ganz persönlichen Ort und wird immer wieder bewusst entzündet.
Solche Kerzen sind für uns keine beliebigen Dekorationsartikel.
Sie werden Teil einer Erinnerung.
Teil eines Rituals.
Manchmal sogar Teil einer Familiengeschichte.
Und deshalb finden wir:
Wenn ein Licht einen wichtigen Moment deines Lebens begleiten darf, lohnt es sich zu wissen, welches Licht du dafür auswählst.
Eine hochwertige Kerze muss nicht perfekt sein.
Sie muss auch nicht behaupten, die Welt zu retten.
Aber ihre Herkunft darf nachvollziehbarer sein.
Ihr Material darf sorgfältig ausgewählt werden.
Ihre Herstellung darf Zeit kosten.
Handwerk darf seinen Wert haben.
Und Gestaltung darf mehr sein als ein Motiv, das tausendfach aus einer Maschine kommt.
In der Grundfarm Wachskunst – der Lichtermacherei in Weidenberg verbinden wir deshalb seit 1973 ausgewählte Materialien mit besonderen Verarbeitungstechniken, handwerklichem Wissen und individueller Gestaltung.
Wir möchten keine Kerzen herstellen, die einfach nur „auch schön“ sind.
Wir möchten zeigen, was aus Wachs entstehen kann, wenn Materialqualität, Erfahrung und künstlerische Freiheit zusammenkommen.
Für dein Zuhause.
Für dein Ritual.
Für dein Lebensfest.
Und für jene besonderen Augenblicke, bei denen du vielleicht irgendwann sagen wirst:
"Dieses Licht gehörte zu meiner Geschichte.“
Und wir freuen uns, wenn wir ein kleiner Teil davon sein dürfen.
Deine Lichtermacher aus der Kerzenwerkstatt
Grundfarm Wachskunst in Weidenberg.